Nicht angeschnallt gegen den Baum? Zwei Tote und zwei Schwerverletzte auf der B442 bei Eimbeckhausen (mit Video)

Rund vier Wochen nach dem tödlichen Unfall auf der B442 bei Nettelrede sind die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus Eimbeckhausen und Bad Münder am Sonntagmorgen (13.09.20) wieder zu einem schweren Unfall auf der Bundesstraße gerufen worden. Vier Männer aus dem Ruhrgebiet waren frühmorgens vermutlich auf dem Heimweg von ihrer Arbeit auf einer Nachtbaustelle der Bahn gegen einen Baum gefahren, zwei starben noch am Unfallort.

In diesem Auto starben am Sonntagmorgen zwei Menschen, zwei weitere wurden schwer verletzt.
In diesem Auto starben am Sonntagmorgen zwei Menschen, zwei weitere wurden schwer verletzt.

Um kurz nach fünf Uhr löste die Rettungsleitstelle Alarm aus: Zwischen der Kreuzung nach Rohrsen/Eimbeckhausen und der Grenze zum Landkreis Schaumburg sollte ein Auto verunglückt sein, mehrere Menschen seien verletzt und eingeklemmt.

An der Unfallstelle in Höhe des Wirtschaftswegs zu den Windkraftanlagen entdeckten die ersten Helfer einen Passat, der offenbar nach rechts abgekommen und frontal gegen einen Baum gefahren war.

Einer der vier Passagiere, der hinten rechts gesessen hatte, war wohl sofort tot, ein weiterer Mann, der auf der Rückbank links mitgefahren war, musste reanimiert werden.

Obwohl niemand eingeklemmt war, hatten die Helfer zusätzlich noch zwei weitere Männer (22 und 40 Jahre alt) zu versorgen, die augenscheinlich schwer verletzt waren.

Erst Sichtung, dann Individualmedizin

Auch wenn es für Außenstehende oft nicht verständlich ist:

Die erste Rettungswagenbesatzung verschafft sich zunächst immer einen groben Überblick der Unfallstelle, statt sofort mit der individuellen Behandlung eines einzelnen Patienten zu beginnen.

Nur so kann festgestellt werden, wieviele Rettungswagen und Notärzte tatsächlich für welche Verletzungen nötig sind, um alle Opfer schnellstmöglich gut versorgen zu können.

Aufgrund dieser ersten Rückmeldung, die “Lage auf Sicht” genannt wird, erhöhte die Rettungsleitstelle die Alarmstufe auf einen sogenannten “Massenanfall von Verletzten”.

(Direktlink: https://youtu.be/DiQJjmYlb3E)

Vier Rettungswagen, zwei Notärzte, ein Hubschrauber

Nun waren ein Rettungswagen (RTW) aus Bad Münder, ein RTW aus Springe, zwei RTW aus Rodenberg, je ein Notarzt aus Hameln und Stadthagen und rund vierzig Feuerwehrleute aus Bad Münder und Eimbeckhausen im Einsatz.

Für den lebensgefährlich verletzten Fahrer (22) wurde der Rettungshubschrauber “Christoph Niedersachsen” angefordert, der am Flughafen Hannover stationiert ist und auch in der Nacht fliegen darf.

Die Feuerwehrleute bauten zügig Beleuchtung auf einem angrenzenden Acker aus, um den Landeplatz auszuleuchten. Schon während des Anflugs nahm die Besatzung Kontakt zu einem Einsatzfahrzeug auf und wurde auf die unmittelbar angrenzenden Windkraftanlagen hingewiesen.

Die sind zwar auf Karten eingezeichnet, doch in der Finsternis nicht immer gut auszumachen.

Um nicht zu viel Erde vom Acker aufzuwirbeln, landete das Team des Hubschraubers rund 150 Meter von der Unfallstelle.

Nachdem der Autofahrer medizinisch stabilisiert worden, wurde er über diese Entfernung von Freiwilligen bis zur Maschine getragen, die danach in der Dämmerung in Richtung Medizinische Hochschule abhob.

Nach Hörensagen vor Ort sei es zunächst schwierig gewesen, eine Klinik zu finden, die den lebensgefährlich verletzten Patienten aufnehmen konnte.

Erst die MHH hatte sich dann dazu bereiterklärt.

Unfallursache Übermüdung?

Nachdem beide Verletzten auf dem Weg in die Krankenhäuser und die Toten geborgen waren, begann die Polizei mit der Spurensicherung und Vermessung der Unfallstelle.

Schnell stellte sich dabei heraus, dass es keine Bremsspuren gab.

Nach unbestätigten Angaben an der Unfallstelle sollen die vier Männer wohl bereits eine Stunde durch die Nacht gefahren sein, bevor der Unfall passierte.

Möglicherweise waren sie nachts auf einer Gleisbaustelle der Bahn als Sicherungstrupp eingesetzt und wollten nun noch den Rückweg nach Bochum bzw. Essen auf sich nehmen.

Dafür spricht, dass der komplette Kofferraum mit schweren Warnanlagen, Erdungskabeln und Signallautsprechern vollgepackt war.

Auch zwei lange Metallstangen, so lang wie der Innenraum, die zur Erdung von Bahnstrecken verwendet werden, waren ungesichert im Auto zwischen den Männern verstaut.

Nach Polizeiangaben ist es nicht auszuschließen, dass der 22-jährige Fahrer übermüdet war und ungebremst gegen den Baum fuhr.

Um Beweise für eine Straftat oder entlastende Spuren dagegen zu sammeln, wurde eine Blutprobe durch die Polizei veranlasst, die auf Alkohol und berauschende Mittel untersucht wird.

Polizei: Alle vier nicht angeschnallt!

Laut offizieller Pressemitteilung geht die Polizei inzwischen davon aus, das ALLE Männer nicht angeschnallt waren.

Inwieweit das noch mehr zum tödlichen Ausgang beigetragen hat, sollen nun Sachverständige klären.

Die B442 war für mehr als drei Stunden voll gesperrt.

Moin!

n112.de ist (m)ein Blog für Feuerwehr-Nachrichten und -Reportagen vorwiegend aus Bad Münder (Landkreis HM), Lauenau, Rodenberg, Bad Nenndorf und dem Auetal (Lkr. SHG).

Ich bin freier Fotojournalist/Fotograf/Filmer und habe auch hauptberuflich Erfahrung als Rettungssanitäter in der Stadtrettung.

Hier berichte ich unabhängig über die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren, um das, was sie jeden Tag unbezahlt zu leisten bereit sind, sichtbarer zu machen. 

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Herzliche Grüße
Stefan Simonsen