Gegen 14.35 Uhr war eine 34-jährige Münderanerin nach Angaben der Polizei von der B442 kommend auf der Kreisstraße 74 in Richtung Egestorf unterwegs.
In einer langgezogenen Linkskurve in Höhe Böbber, kurz hinter der Straße „Am Denkmal“, kam ihr eine 21-Jährige in einem MINI entgegen, die später berichtete, dass der entgegenkommende Ford Fiesta relativ mittig auf der Fahrbahn gefahren sei.
Als dessen Fahrerin nach rechts lenkte, vermutlich um Platz für den MINI zu machen, geriet ihr Auto mit den rechten Reifen in die Bankette, die seit der Neuasphaltierung der Straße relativ weich und unfallträchtig ist.
Sie lenkte ihren Wagen daraufhin offenbar ruckartig zurück auf die Fahrbahn. Der Fiesta geriet außer Kontrolle und schleuderte schließlich nach rechts von der Fahrbahn gegen einen Baum.
Durch den Aufprall wurde der Motorblock aus dem Motorraum gerissen und blieb wenige Meter neben dem Baum liegen.
Der Ford schleuderte weiter und blieb schließlich weit hinter dem Baum mit zerstörter Front, entgegen der ursprünglichen Fahrtrichtung, stehen.
Augenzeugin sah Unfall im Rückspiegel
Vorbildlich verhielt sich die MINI-Fahrerin:
Die 21-Jährige erzählte am Unfallort, dass sie schon beim Vorbeifahren das Schlingern des Wagens bemerkt hatte und den Wagen deshalb im Rückspiegel weiter beobachtete.
Als sie sah, dass sich der Ford drehte und gegen den Baum prallte, habe sie an der nächsten Einmündung gewendet und sei zum Unfallauto zurückgefahren, um möglichen Verletzten zu helfen.
Die junge Bakederin ist gerade in der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) und sagte, für sie sei es selbstverständlich gewesen, wieder umzudrehen und nach der Frau zu sehen.
Zumal auf der Straße nur wenig Verkehr herrsche und es lange hätte dauern können, bis die Verunglückte gefunden worden wäre.
Keine Selbstverständlichkeit mehr und deshalb ein wirklich tolles couragiertes Verhalten, das (leider) extra erwähnt werden muss!


Verletzte steigt selbst aus
Glücklicherweise war die Verunglückte nicht in ihrem Auto eingeklemmt, sondern stieg selbst aus und konnte mit der Ersthelferin reden.
Kurz darauf hielt dann auch eine weitere Frau (69) aus Bakede an, die den Notruf absetzte und die Unfallstelle absicherte.


Die Rettungsleitstelle alarmierte nicht nur einen Rettungswagen (RTW) und einen Notarzt mit dem Stichwort „Verkehrsunfall, eine Person eingeklemmt“ zum Unfallort, sondern auch die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus Bakede, Bad Münder und Egestorf.
Letztere betreuen seit der Schließung der Ortswehr in Böbber primär deren ehemaliges Einsatzgebiet und waren erst vor zwei Monaten nur wenige hundert Meter entfernt bei einem schweren Motorradunfall im Einsatz.


Batterie rund 40 Meter entfernt
Während die Fahrerin vom Rettungsdienst versorgt wurde, stellten die Feuerwehrleute den Brandschutz sicher, banden Betriebsflüssigkeiten mit speziellem Granulat und sperrten den Unfallort ab.
Anders als sonst bei Unfällen mussten sie die Batterie allerdings nicht abklemmen, sondern erstmal suchen:
Sie war beim Aufprall auf den Baum noch rund 40 Meter weit aus dem Motorraum in eine Hofeinfahrt geflogen.
Die Batterie wurde von der Feuerwehr in einer Metallmulde gesichert und die ausgelaufene Säure ebenfalls aufgefangen.


Insgesamt waren nach Angaben von Stadtbrandmeister Carsten Koch rund 25 unbezahlte Feuerwehrleute im Einsatz, der rund zwei Stunden dauerte.
Die 34-Jährige wurde schwer verletzt mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.


Nach Auffassung der Einsatzkräfte haben bei diesem Unfall mehrere glückliche Faktoren trotzdem zu einem verhältnismäßig glimpflichen Ausgang geführt:
So sei der Fiesta mit der rechten Seite des Motorraums auf den Baum geprallt, statt frontal, wodurch sich der Wagen weggedreht habe und der Baum nicht weiter in die Fahrgastzelle gedrungen sei.
Sonst wären tödliche Verletzungen sehr viel wahrscheinlicher gewesen.


Auch könne man froh sein, dass kein weiteres Auto hinter dem MINI gefahren und frontal in das schleudernde Auto gekracht sei – und sich auch niemand in der Garagenzufahrt aufgehalten hatte, als die schwere Batterie wie ein Geschoss angeflogen kam.
Tacho bleibt bei rund 80km/h stehen, aber…
Feuerwehrleute berichteten übrigens, dass der Tacho des Fiesta bei rund 80km/h stehengeblieben sei.
Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Wagen mit genau dieser Geschwindigkeit gegen den Baum geprallt ist.


Ein DEKRA-Sachverständiger erklärte mir bei einem früheren Unfall, dass, gerade bei älteren Fahrzeugen, die Tachonadel weit ausschlagen kann, wenn das Fahrzeug abhebt und die Räder dabei durch den fehlenden Rollwiderstand noch einmal durchdrehen, bevor der Wagen aufprallt und die Verbindung zum Tacho zerstört wird.
So sei es zwar immer ein reißerisches BILD, wenn die Tachonadel unter einer hohen Zahl stehengeblieben ist – aussagekräftig sei das aber definitiv nicht!







