Video: Rettung in letzter Sekunde – Feuerwehr findet Frau in brennender Küche

Die ehrenamtlichen Frauen und Männer aus sechs Ortsfeuerwehren der Stadt Bad Münder haben am Freitag (17.07.20) durch ihren schnellen Einsatz im Ortsteil Eimbeckhausen eine Bewohnerin aus ihrer brennenden Küche gerettet.

Gegen 8.30 Uhr hatte ein Autofahrer nach Polizeiangaben Rauch bemerkt, der aus dem Wohnhaus an der Hauptstraße quoll.

Er alarmierte die Feuerwehr und versuchte danach, mögliche Bewohner zu retten.

Weil der Rauch schon zu stark war, brach er aber richtigerweise den Versuch ab und wartete auf das Eintreffen der Feuerwehren.

Einsatz für sechs Ortsfeuerwehren

Bei der ersten Meldung war der Rettungsleitstelle offenbar zunächst eine danebenliegende Hausnummer übermittelt worden, unter der wohl acht Bewohner gemeldet sind.

Aufgrund der Meldung “vermisste Person im Gebäude, Menschenleben in Gefahr” hatte sie deshalb sofort sechs Freiwillige Ortsfeuerwehren alarmiert, um ausreichend Atemschutzgeräteträger (AGT) für die Rettung von Menschen und den Einsatz im Rauch an der Einsatzstelle zu haben.

Tagsüber arbeiten viele Ehrenamtliche nicht mehr in den kleinen Ortschaften und stehen damit nicht zur Verfügung. Deshalb werden schon seit längerem mehrere Ortswehren parallel alarmiert.

Die vielen roten Autos am Einsatzort erscheinen einem Außenstehenden dann oft übertrieben, doch nur so kann eine ausreichende Anzahl von Helfern garantiert werden, wenn es keine Berufsfeuerwehr gibt.

Atemschutzträger finden Bewohnerin in Küche

Die ersten Helfer rüsteten sich sofort mit Atemschutz aus und gingen in das verrauchte Haus, in dem eine ältere Frau als alleinige Bewohnerin gemeldet war. Da sie nicht vor der Straße gestanden hatte, musste die Feuerwehr laut Pressesprecher Marko Klose davon ausgehen, dass sie sich noch in der Wohnung befand.

Für die AGT begann damit eine minutenlange nervenaufreibende Suche. Anders als in Filmen, nimmt Brandrauch oft die komplette Sicht, so dass sich die Helfer trotz dicker Handschuhe komplett auf ihren Tastsinn verlassen müssen – in einer unbekannten Wohnung, die sie vorher noch nie gesehen haben.

Tatsächlich konnten die Helfer schließlich die 85-jährige Bewohnerin in der brennenden Küche finden und ins Freie bringen, wo sie vom Rettungsdienst übernommen wurde.

Bei Flucht durch die Küche zusammengebrochen

Nach ersten Angaben hatte die Frau versucht, vor dem Feuer in der Durchgangsküche aus ihrem angrenzenden Schlafzimmer zu flüchten und war dort nach wenigen Atemzügen durch den Rauch zusammengebrochen.

Während die ansprechbare Verletzte nach der Erstversorgung in ein Krankenhaus gefahren wurde, löschten die Feuerwehrleute die brennenden Küchenteile und warfen sie auf den Hinterhof, wo ein weiterer Trupp letzte Glutnester abspritzte.

Auch der 30-jährige Ersthelfer wurde mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Einsatzstellenhygiene sammelt Kleidung ein

Am Einsatzort nahm unterdessen die Einheit des Gefahrgutzugs für Einsatzstellenhygiene ihre Arbeit auf, um die Krebsgefahr bei den eingesetzten Helfern zu minimieren.

Dafür wird die Kleidung der im Brandrauch arbeitenden Helfer noch vor Ort eingesammelt und verhindert, dass die giftigen Rußpartikel in die Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser geschleppt werden, wo sie von anderen Helfern eingeatmet werden könnten.

Verletzte wird in Spezialklinik geflogen

Die 85-Jährige wurde später nach meinen Informationen mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Düsseldorf geflogen, die über eine Überdruckkammer verfügt.

Tückisch: Bei schweren Rauchvergiftungen hat sich Kohlenmonoxid im Blut festgesetzt und verhindert so, dass ausreichend Sauerstoff zu den Organen transportiert werden kann.

Obwohl die Betroffenen noch wach sind und atmen, ersticken sie so langsam von innen heraus. Durch die stundenlange Behandlung in einer Überdruckkammer kann das Gas wieder aus dem Blut gedrängt und das Ersticken verhindert werden.

Links: Pressemeldung der Polizei

Direktlink zum Video: https://youtu.be/l5926HHvrVc

Moin!

n112.de ist (m)ein Blog für Feuerwehr-Nachrichten und -Reportagen vorwiegend aus Bad Münder (Landkreis HM), Lauenau, Rodenberg, Bad Nenndorf und dem Auetal (Lkr. SHG).

Ich bin freier Fotojournalist/Fotograf/Filmer und habe auch hauptberuflich Erfahrung als Rettungssanitäter in der Stadtrettung.

Hier berichte ich unabhängig über die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren, um das, was sie jeden Tag unbezahlt zu leisten bereit sind, sichtbarer zu machen. 

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Stefan Simonsen