A2 bei Bad Eilsen: Mann brach am Steuer zusammen, doch nur zwei Autofahrer halfen

Mehrere hundert Meter schrammte der Wagen noch gegen eine Betonmauer, bis er auf dem Standstreifen stehen blieb. Der Rettungsdienst schlug beherzt eine Scheibe ein, weil sich der Wagen nicht öffnen ließ.

Das verunglückte Fahrzeug ist an der Betonmauer zum Stehen gekommen, der Fahrer wird im RTW versorgt (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)
Das verunglückte Fahrzeug ist an der Betonmauer zum Stehen gekommen, der Fahrer wird im RTW versorgt (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)

Bad Eilsen (sim). Es waren Szenen, die einfach fassungslos machen. Ein Autofahrer wurde gestern Abend auf der A2 nach einem Reifenplatzer durch seine Vorerkrankung stressbedingt bewusstlos.

Das Auto schlingerte zunächst über alle drei Fahrspuren und rammte dann auf mehreren hundert Metern mehrfach die rechte Betonmauer, bis es auf dem Standstreifen zum Stehen kam.“

Mehrere hundert Meter lang schrammte der Audi immer wieder an der Betonmauer entlang (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)
Mehrere hundert Meter lang schrammte der Audi immer wieder an der Betonmauer entlang (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)

Unfall interessierte fast niemanden – nur zwei Fahrer halfen

Doch nur zwei Autofahrer hielten an, um dem Mann zu helfen: Eine junge Frau aus Hamburg und der Bückeburger Dietmar Morawe.

Er war auch nach dem Erlebnis immer noch konsterniert, dass ein Mensch ganz offensichtlich Hilfe brauchte und es sonst keinen der Vorbeifahrenden interessiert hat: „Normalerweise ist mir klar, dass man sofort zum Fahrzeug rennt und guckt, wie es ihm geht. Das ist für mich selbstverständlich“, erzählte er später.

Vorbildlicher Ersthelfer: Dietmar Morawe aus Bückeburg zeigt, wie er versuchte, Lastwagen anzuhalten
Vorbildlicher Ersthelfer: Dietmar Morawe aus Bückeburg zeigt, wie er versuchte, Lastwagen anzuhalten

Und Hilfe von anderen Fahrern hätten die beiden gut gebrauchen können: Im Auto konnten sie den offensichtlich Bewusstlosen sehen – doch die Türen ließen sich nicht öffnen.

Trotz aktiver Aufforderung hielten weder Autos noch Lastwagen an

Während die Hamburgerin den Notruf absetzte, versuchte Morawe vergeblich, die hintere Scheibe der Fahrerseite einzuschlagen, doch selbst mit einem gefundenen Metallstück gelang ihm das nicht.

Für beide zog sich das Warten auf die professionellen Rettungskräfte ewig hin. Im Auto lag der kranke Mann, dem sie nicht helfen konnten, und der Verkehr rauschte unbeeindruckt vorbei.

„Als wir dann, für uns gefühlt, ewig auf Hilfe warteten, dachten wir: Was machen wir jetzt? Worauf ich dann mehrfach versuchte, LKW anzuhalten – in der Hoffnung, dass die einen dieser Hammer dabei hätten. Doch keiner hat angehalten“, erzählte Morawe später und deutete dabei an, wie er mit erhobenen Händen auf die Lastwagen zugelaufen war.

Rettungsdienst schlug Scheibe mit „Kuhfuß“ ein

Die Rettungsleitstelle hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Freiwillige Feuerwehren der Samtgemeinde Eilsen, einen Rettungswagen und das NEF mit dem Stichwort „Verkehrsunfall, eingeklemmte Person“ alarmiert. Der Rettungsdienst traf zuerst ein – mit einem Kuhfuß schlug die Besatzung beherzt die Scheibe hinter dem Fahrer ein und begann mit der Versorgung des Erkrankten.

Der Rettungsdienst schlug die Scheibe des Audi ein, um den Bewusstlosen versorgen zu können (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)

Schnell war klar, dass der Mann zur Weiterbehandlung in ein Krankenhaus nach Hannover gebracht werden musste – die Feuerwehr bereitete sich deshalb mit Atemschutzträgern und einem Schaumrohr auf die Landung des Rettungshubschraubers Christoph 4 vor, dessen Notarzt den Patienten kurz darauf im RTW begleitete.

Bereit für die Landung des Christoph 4: Ehrenamtliche Feuerwehrleute aus Bad Eilsen (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)
Bereit für die Landung des Christoph 4: Ehrenamtliche Feuerwehrleute aus Bad Eilsen (Foto: Stefan Simonsen/n112.de)

Lob für die Ersthelfer

Beide Helfer erhielten nach dem Abschluss der Rettung noch ein großes Lob und ein Dankeschön vom Rettungsdienst, auch wenn beide ihre Reaktion für selbstverständlich hielten.

Morawe schauderte allerdings bei dem Gedanken daran, dass er selbst mal verunglücken könnte und alle vorbeiführen: „So ein Gefühl der Hilflosigkeit wie vorhin – das möchtest du einfach nicht erleben.“